Institut für Deutsche Sprache

Outsourcing, Facebook, Payback, Chickensandwich: nur eine kleine Auswahl an Begriffen, die längst nicht nur in London oder New York, sondern auch zwischen Kiel und Luzern, Saarbrücken und Wien zum Alltag gehören. Anglizismen sind in, könnte man meinen, und Deutsch zunehmend out. Doch allen Unkenrufen zum Trotz ist die Sprache quicklebendig. Ihre Entwicklung wird von 80 Wissenschaftlern und ebenso vielen Projekt-Mitarbeitern und studentischen Hilfskräften am Institut für Deutsche Sprache (IDS) in der Mannheimer Innenstadt eingehend studiert. Das 1964 gegründete IDS ist die zentrale staatlich geförderte Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation der deutschen Sprache. Die Grundfinanzierung tragen der Bund und das Land Baden-Württemberg. Zusätzliche Unterstützung erhält das IDS unter anderem von der Stadt Mannheim, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und einem eigenen Förderverein. Selbstverständlich betreiben die IDS-Experten nicht nur Grundlagenforschung zu den Wandlungen der deutschen Sprache heute und in der neueren Geschichte. Sie liefern auch die wissenschaftliche Basis für die Weiterentwicklung von Sprachunterricht und Sprachtherapie. Zusätzlich wird mit neuen Methoden die Computerlinguistik unterstützt. Dank internationaler Kooperationen gibt es eine hervorragende Zusammenarbeit mit Germanisten über die Grenzen des deutschen Sprachraumes hinweg. Das IDS verfügt über einen Bereich Zentrale Forschung und drei Spezialabteilungen für Grammatik, Lexik (Dokumentation und Erforschung des deutschen Wortschatzes) und Pragmatik (Sprachgebrauch und -variabilität). Eine EDV-Zentralstelle stellt hochmoderne Computertechnik bereit. Des Weiteren beherbergt das Institut die weltweit größte öffentliche Präsenzbibliothek zur deutschen Sprachwissenschaft.

Innovation: Sprachforschung mit COSMAS II und Migrationslinguistik

Die EDV hilft, vieles besser zu ordnen und einfacher verfügbar zu machen warum also nicht auch Wortschätze? Dieser Idee folgend haben Spezialisten des IDS das stetig wachsende Recherchesystem COSMAS II entwickelt. Es bietet bereits Zugriff auf 3,9 Milliarden verschiedener Wortformen. Eine betriebssystemunabhängige COSMAS II-Version steht der Öffentlichkeit seit dem vergangenen Jahr unter www.ids-mannheim.de/cosmas2/ im Internet zur Verfügung. Um das Recherchesystem mit zusätzlichem Datenmaterial zu versorgen, wurden 2009 sämtliche Ausgaben der Tageszeitung Mannheimer Morgen sowie drei weiterer deutscher Zeitungen in konvertierter Form eingespeist. Ein weiteres interessantes IDS-Forschungsgebiet ist die Migrationslinguistik. Deutsch ist bekanntlich nicht immer gleich in Sprachgestalt und Klang. Dialekte, Mundarten sind auch heutzutage noch weit verbreitet. Nicht nur bei alteingesessenen Bevölkerungsgruppen. Das 2008 gestartete Projekt Migrationslinguistik nimmt das von Zuwanderern in Deutschland gesprochene Deutsch genauer unter die Lupe. Als Modellgruppe dienen dabei Migranten mit deutsch-russischem Hintergrund, die sogenannten Aussiedler. Die Forscher untersuchen, wie sich deren Sprachgebrauch entwickelt. Wie passt sich das von den Migranten gesprochene Deutsch zum Beispiel der regionalen Umgangssprache in der neuen Heimat an, und wie werden bestimmte Elemente davon wiederum von den Zuwanderern verändert? Bilden sich eventuell migrationsspezifische Sprachformen, auch Ethnolekte genannt? Alle diese Entwicklungen sollen bei einer Testgruppe über einen Zeitraum von 15 Jahren hinweg exakt dokumentiert werden.


Anschrift:
R 5.6 13

68161 Mannheim


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