
Es ist eine merkwürdige Substanz, die das Alter verrät: das Isotop 14C, eine besonders schwere Variante des Kohlenstoff-Atoms, beladen mit einer Überdosis Neutronen. Diese Teilchen entstehen in den obersten Schichten der Erdatmosphäre durch die Einwirkung von kosmischer Strahlung. Sie verbinden sich u.a. mit Sauerstoff und bilden so 14CO2, das wie normales Kohlendioxid von Pflanzen aufgenommen und zu Kohlenhydrat-Molekülen verarbeitet wird. Das Isotop ist jedoch nicht dauerhaft stabil, sondern verliert seine überschüssigen Neutronen. Übrig bleibt ein normales Kohlenstoff-Atom. Die Menge an 14C, die ein biologisches Material wie zum Beispiel Holz enthält, gibt daher Aufschluss über dessen Alter, denn schließlich ist das Mengenverhältnis zwischen dem 14er-Isotop und den üblichen C-Atomen zu Lebzeiten weitgehend konstant. Je länger etwas tot ist, desto weniger 14C verbleibt darin. Das Messen von 14C-Zerfällen zum Zwecke der Altersbestimmung wurde bereits 1949 erfunden, hinzu kam seit einigen Jahren das AMS-Verfahren (Accelerator Mass Spectrometry). Das Prinzip beruht darauf, dass sich die Isotopen aufgrund ihrer unterschiedlichen Massen bei hoher Geschwindigkeit im Magnetfeld ungleich verhalten und sich so getrennt von Messinstrumenten zählen lassen. MICADAS ist ein besonders leistungsfähiger AMS-Beschleuniger. Mit der Eröffnung des Klaus-Tschira-Labors für physikalische Altersbestimmung im Juni 2010 hat das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie sein Leistungsspektrum erheblich erweitert