Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie

Ein Tonkrug, gefunden in einer mittelalterlichen Abfallgrube; die Reste eines Schwertes aus einem zufällig entdeckten Grab; Glasfragmente aus einer ehemaligen römischen Werkstatt: Wie alt mögen diese Gegenstände wohl genau sein, und woher kamen sie ursprünglich? Das Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie gGmbH liefert Antworten auf diese Fragen und vereint modernste Technik und Fachwissen unter einem Dach. Das Zentrum, eine gemeinsame Einrichtung der Universität Tübingen und der Curt-Engelhorn-Stiftung für die Reiss-Engelhorn-Museen, ist das größte archäometrische Institut im deutschsprachigen Raum. Das Haus versteht sich nicht nur als Forschungseinrichtung, sondern auch als Dienstleister für die freie Wirtschaft. Grundsätzlich kann jeder seine Expertise in Anspruch nehmen, Kunstliebhaber und Sammler ebenfalls. Archäometrie ist ein interdisziplinäres Forschungsgebiet. Sie kombiniert Wissen und Methoden aus Biologie, Chemie, Physik, Geo- und Kulturwissenschaften zum Zwecke einer genauen Bestimmung von Alter, Herkunft und Authentizität archäologischer Funde. Seinen international anerkannten Ruf erlangte das erst 2006 gegründete Mannheimer Institut durch den Echtheitsnachweis der berühmten Himmelsscheibe von Nebra. Diese zählt zu den sensationellsten archäologischen Fundstücken der letzten Jahrzehnte. Die aus Bronze angefertigte und mit Goldblech verzierte Scheibe ist die bislang älteste bekannte, konkrete Himmelsdarstellung. Nachweise wie dieser beruhen zum Teil auf der naturwissenschaftlichen Prüfung des Materials und seiner Zusammensetzung, andererseits aber auch auf der genauen Untersuchung der Herstellungs- und Bearbeitungstechniken. All diese Analysen gehören zum Aufgabengebiet der Experten am Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie. Das linke Gebäude auf der Abbildung oben zeigt das Klaus-Tschira-Labor für physikalische Altersbestimmung (Animation: ch-quadrat architekten © Pfeiffer Ellermann Preckel).

Innovation: C-Datierungen mit dem MICADAS-Beschleuniger

Es ist eine merkwürdige Substanz, die das Alter verrät: das Isotop 14C, eine besonders schwere Variante des Kohlenstoff-Atoms, beladen mit einer Überdosis Neutronen. Diese Teilchen entstehen in den obersten Schichten der Erdatmosphäre durch die Einwirkung von kosmischer Strahlung. Sie verbinden sich u.a. mit Sauerstoff und bilden so 14CO2, das wie normales Kohlendioxid von Pflanzen aufgenommen und zu Kohlenhydrat-Molekülen verarbeitet wird. Das Isotop ist jedoch nicht dauerhaft stabil, sondern verliert seine überschüssigen Neutronen. Übrig bleibt ein normales Kohlenstoff-Atom. Die Menge an 14C, die ein biologisches Material wie zum Beispiel Holz enthält, gibt daher Aufschluss über dessen Alter, denn schließlich ist das Mengenverhältnis zwischen dem 14er-Isotop und den üblichen C-Atomen zu Lebzeiten weitgehend konstant. Je länger etwas tot ist, desto weniger 14C verbleibt darin. Das Messen von 14C-Zerfällen zum Zwecke der Altersbestimmung wurde bereits 1949 erfunden, hinzu kam seit einigen Jahren das AMS-Verfahren (Accelerator Mass Spectrometry). Das Prinzip beruht darauf, dass sich die Isotopen aufgrund ihrer unterschiedlichen Massen bei hoher Geschwindigkeit im Magnetfeld ungleich verhalten und sich so getrennt von Messinstrumenten zählen lassen. MICADAS ist ein besonders leistungsfähiger AMS-Beschleuniger. Mit der Eröffnung des Klaus-Tschira-Labors für physikalische Altersbestimmung im Juni 2010 hat das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie sein Leistungsspektrum erheblich erweitert


Anschrift:
D 6.3

68159 Mannheim


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