
Tinnitus ist grausam. Es klingelt, zischt, pfeift oder brummt den betroffenen Patienten in den Ohren, selbst in einer vollkommen stillen Umgebung ist keine Ruhe zu finden. Chronischer Tinnitus führt oft zu gravierenden Beeinträchtigungen der Lebensqualität mit Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder gar Depressionen. Bis heute gibt es noch keine zufriedenstellenden Behandlungsmöglichkeiten gegen die quälenden Ohrgeräusche. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, wie die Krankheit bestimmte Gehirnprozesse beeinflusst. Störungen im Netzwerk der Nervenzellen bewirken eine stetige aktive Wahrnehmung der vom Gehirn und den Gehörnerven selbst produzierten Geräuschsignale. Dadurch steigt das Stressniveau, und der Tinnitus verstärkt sich weiter ein Teufelskreis. Das DZM hat in Zusammenarbeit mit der HNO-Klinik der Universität Heidelberg, der Universitätsklinik in Homburg/Saar und der Fakultät für Musiktherapie der SRH Hochschule Heidelberg ein neues Musiktherapiemodell gegen Tinnitus entwickelt. Kernstück der Behandlungsmethode ist eine neuronale Reorganisation der akustischen Wahrnehmung mittels Musiktherapie. Das Gehirn soll quasi lernen, die falschen Hörsignale besser zu ignorieren. Mehrere klinische Studien einer Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Bolay haben ermutigende Ergebnisse erbracht. Bei 80 Prozent der bisher neurowissenschaftlich evaluierten Therapien (165 Patienten) wurde eine wesentliche Verbesserung der Tinnitus-Belastung nachgewiesen, bei knapp einem Drittel verschwanden die Symptome ganz. Die Behandlung von Tinnitus ist nicht das einzige Innovationsgebiet des DZM. Unter anderem wird die Wirkung von Computerspielen erforscht.