Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (DZM)

Wir alle kennen sie, die heiteren Klänge Mozarts, aber auch die aufständischen Sounds von RocknRoll oder Techno, deren Wirkung auf jeden von uns unterschiedlich sein kann. Musik hat oft einen direkten Draht zur Seele. Manchmal reichen nur eine Handvoll Töne, um schlagartig Freude auszulösen oder tiefgreifende Erinnerungen wachzurufen. Doch Musik ist mehr. Musik kann heilen, seelisch und körperlich. Gezielt eingesetzt unterstützt sie die Rehabilitation von halbseitig gelähmten Schlaganfallpatienten, hilft Menschen, die sich einer belastenden Herzkatheteruntersuchung unterziehen müssen, bei der Angstbewältigung und bietet neue Möglichkeiten für ein besseres Konfliktmanagement an Schulen. Diese und andere Ansätze werden am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung (DZM) in Heidelberg-Wieblingen wissenschaftlich untersucht und weiterentwickelt. Mit immer wieder international beachtetem Erfolg. Das 1995 gegründete DZM gilt heutzutage als Europas wichtigstes Forschungszentrum für Musiktherapie. Die Institution ist in Europa und in den USA mit Universitäten und Forschungseinrichtungen eng vernetzt. Ausgangspunkt für die Forschungsarbeit des DZM waren die zahlreichen Erfahrungen, die Musiktherapeuten in Deutschland in ihrer klinischen Arbeit machten. Sie behandeln Patienten mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern wie Migräne-geplagte Kinder, Krebsleidende mit starken Schmerzen oder schwer psychisch erkrankte Personen. Jeder von ihnen bekommt eine wissenschaftlich fundierte und optimal auf seine individuellen Bedürfnisse abgestimmte Form der Musiktherapie angeboten. Bei circa einem Drittel der behandelten Patienten lässt sich eine deutliche Linderung der Symptome feststellen. Auch bei Menschen im Wachkoma wird die Wirkung heilsamer Klänge getestet. Der noch jungen Musiktherapie steht zweifellos eine große Zukunft bevor.

Innovation: Musiktherapie bei chronischem Tinnitus

Tinnitus ist grausam. Es klingelt, zischt, pfeift oder brummt den betroffenen Patienten in den Ohren, selbst in einer vollkommen stillen Umgebung ist keine Ruhe zu finden. Chronischer Tinnitus führt oft zu gravierenden Beeinträchtigungen der Lebensqualität mit Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder gar Depressionen. Bis heute gibt es noch keine zufriedenstellenden Behandlungsmöglichkeiten gegen die quälenden Ohrgeräusche. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, wie die Krankheit bestimmte Gehirnprozesse beeinflusst. Störungen im Netzwerk der Nervenzellen bewirken eine stetige aktive Wahrnehmung der vom Gehirn und den Gehörnerven selbst produzierten Geräuschsignale. Dadurch steigt das Stressniveau, und der Tinnitus verstärkt sich weiter ein Teufelskreis. Das DZM hat in Zusammenarbeit mit der HNO-Klinik der Universität Heidelberg, der Universitätsklinik in Homburg/Saar und der Fakultät für Musiktherapie der SRH Hochschule Heidelberg ein neues Musiktherapiemodell gegen Tinnitus entwickelt. Kernstück der Behandlungsmethode ist eine neuronale Reorganisation der akustischen Wahrnehmung mittels Musiktherapie. Das Gehirn soll quasi lernen, die falschen Hörsignale besser zu ignorieren. Mehrere klinische Studien einer Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Bolay haben ermutigende Ergebnisse erbracht. Bei 80 Prozent der bisher neurowissenschaftlich evaluierten Therapien (165 Patienten) wurde eine wesentliche Verbesserung der Tinnitus-Belastung nachgewiesen, bei knapp einem Drittel verschwanden die Symptome ganz. Die Behandlung von Tinnitus ist nicht das einzige Innovationsgebiet des DZM. Unter anderem wird die Wirkung von Computerspielen erforscht.


Anschrift:
Maaßstr. 32/1

69123 Heidelberg


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