
Die Sonne kann mehr. Auch wenn die energiewirtschaftliche Nutzung ihrer Strahlen vor allem in der Photovoltaik weltweit rapide wächst, so sind doch die technischen Möglichkeiten zum Einsatz dieser regenerativen Energiequelle noch längst nicht erschöpft. Mit gebündeltem Sonnenlicht lassen sich sehr hohe Temperaturen erzeugen. Jeder, der als Kind mit einer Lupe als Brennglas herumgespielt hat, kennt diese energetische Kraft aus eigener Erfahrung. Allerdings sind mit dem großtechnischen Einsatz von lichtfokussierenden Verfahren meist hohe Kosten verbunden, und ihre Flexibilität ist gering. Eine vielversprechende Möglichkeit liegt aber in der Nutzung sogenannter Fresnellinsen. Dank ihrer gestuften Oberfläche können sie auch bei geringer Stärke Sonnenlicht auf kurze Brennweiten bündeln. Auch die Materialanforderungen sind minimal dünnwandige Zylinder-Fresnellinsen lassen sich sehr kostengünstig aus Glas oder Kunststoff herstellen. Experten des Instituts für Prozessmesstechnik und innovative Energiesysteme der Hochschule Mannheim arbeiten an der Entwicklung neuer Konzepte für den Einsatz linearer Fresnellinsen im Energiebereich. Solche linearen Systeme bestehen lediglich aus nebeneinander aufgereihten Ausschnitten aus Zylinder-Fresnellinsen, die zusammen keinen Brennpunkt, sondern eine Brennlinie erzeugen. Die so linear gebündelte Sonnenenergie ließe sich nach Ansicht der Ingenieure zukünftig in vielerlei Bereichen einsetzen, unter anderem für die Erzeugung von Dampf und dessen anschließende Nutzung in thermodynamischen Systemen wie zum Beispiel Dampfturbinen. Weitere potentielle Einsatzmöglichkeiten der linearen Fresnellinsentechnik wären die Elektrizitätserzeugung mittels fokussierter Photovoltaik oder auch die Vergasung von Klärschlamm bei Temperaturen um die 500 °C.