
Das Problem ist äußerst komplex: Viele medizinisch wirksame Substanzen haben die schwierige Eigenschaft, dass sie sich in einem wässrigen Milieu, wie zum Beispiel im Darm, nur schwer auflösen. Doch nur in gelöster Form können sie vom Körper aufgenommen werden und ihre erwünschte Wirkung entfalten. Eine Ursache für schlechte Löslichkeit sind unter anderem die stabilen Kristalle, die bestimmte Stoffe in festem Zustand bilden. Deshalb können Teile einer Dosis vollkommen wirkungslos den Magen-DarmTrakt passieren und wieder ausgeschieden werden. Dem Behandlungserfolg kommt das natürlich nicht zugute. Experten des Abbott-Geschäftsbereichs Soliqs in Ludwigshafen haben einen in der Pharmazie bislang einmaligen technischen Ansatz für die Behandlung von schwerlöslichen Wirkstoffen erforscht. Schmelzextrusion ist ein Verfahren aus der Kunststoffindustrie, welches die Soliqs-Experten für die Entwicklung von Meltrex® und Xellex® nutzten. Man bringt den Wirkstoff mit Hilfssubstanzen in einem Extruder, einem Laborgerät zur Durchmischung und Formung erhitzter Massen, mit einem Polymer zusammen. Das geschmolzene Polymer dient als Lösemittel für den medizinischen Wirkstoff. Nach der Abkühlung erstarrt das Polymer zwar wieder, doch das Arzneipräparat kann keine festen Kristalle mehr bilden. Fachleute sprechen hier von einer festen Lösung. Wenn sich also das wasserlösliche Polymer im Magen, Darm oder Mund zersetzt, kann der bereits im Polymer aufgelöste Wirkstoff sofort vom Körpergewebe aufgenommen werden. Xellex® bezeichnet die Fabrikation von medikamentösen Polymerfolien zum Einsatz in der Mundhöhle, Meltrex® steht für die Produktion von Tabletten-Vorstufen. Diese Technologie kommt bei der Herstellung von hochwirksamen und wärmeunempfindlichen Proteaseinhibitor-Pillen gegen HIV zum Einsatz.